Hirtenbrief an Werl-Pilger am 8. Mai 2005
von Erzbischof von Ermland Dr. Edmund Piszcz

ARCYBISKUP METROPOLITA WARMIŃSKI
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Miłujmy czynem i prawdą
(Lieben wir in Tat und Wahrheit)


Olsztyn, den 27. April 2005


Liebe Ermländerinnen, liebe Ermländer!

Vor 12 Jahren habe ich hier in Werl zum ersten Mal mit Euch gemeinsam gebetet und die Gottesmutter um Hilfe in aller Not angerufen. Vor zwei Jahren habt Ihr hier gemeinsam mit mir den Seligsprechungsprozess für Euren, ich sage, für unseren unvergessenen Bischof Maximilian Kaller eingeleitet, an den seine Büsten in Frauenburg und Allenstein im Ermland erinnern. Diesmal kann ich nicht persönlich bei Euch sein. In Erinnerung an den großen Bischof Maximilian will ich Euch durch Prälat Bronisław Magdziarz und den Apostolischen Protonotar Julian Żołnierkiewicz Grüße aus der Heimat überbringen. Viele von Euch habe ich auch an ermländischen Marienwallfahrtsorten wieder gesehen, vor allem in Dietrichswalde.

Die Ermländer in Deutschland und in Polen denken in diesem Jahr an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren. Dir musstet Eure Heimat verlassen, viele haben dabei ihr Leben und ihre Gesundheit verloren. In die von Euch verlassenen Häuser - sofern sie nicht in Flammen aufgegangen waren - zogen andere ein, die ebenfalls aus ihrer angestammten Heimat vertrieben wurden. Ihr wisst das und habt bei vielen Treffen von deutschen und polnischen Ermländern Frieden, oftmals sogar Freundschaft geschlossen.

Wir Bischöfe sind Euch dabei vorangegangen. Im November sind vierzig Jahre seit dem Versöhnungsbriefwechsel zwischen den deutschen und polnischen Bischöfen vergangen. Am Rande des zu Ende gehenden Konzils haben wir polnischen Bischöfe unseren deutschen Amtsbrüdern einen Brief überreicht. Die Botschaft lautete: "Wir vergeben und bitten um Vergebung". Eure Bischöfe haben darauf im gleichen Sinne geantwortet. Der Apostolische Visitator em. Prälat Johannes Schwalke, der jetzige Visitator Msgr. Dr. Lothar Schlegel und ich sind mit unseren Priestern und Ordensfrauen sowie mit Euch allen diesen Weg der Versöhnung weitergegangen. Gemeinsam haben wir dafür gesorgt, dass es seit 1991 auch wieder regelmäßig deutschsprachige Gottesdienste im Ermland gibt. Mit Eurem Visitator Dr. Lothar Schlegel und auch mit dem emeritierten Apostolischen Visitator Johannes Schwalke gibt es wieder deutsche Domherren in Frauenburg. Über sein Büro in der Allensteiner Kurie wirkt der Visitator an der Seelsorge fur die deutsche Minderheit in meinem Erzbistum mit. Unsere Freundschaft, die Freundschaft zwischen deutschen und polnischen Ermländern, soll Beispiel gebend sein - gerade an diesem 60. Jahrestag des Kriegsendes. Nicht zuletzt der gemeinsame Glaube hat viele Brücken zwischen West und Ost möglich gemacht. Lasst uns gemeinsam diesen Weg fortsetzen.

Das Ermland, so hat der Heilige Vater bei seinem Besuch bei uns gesagt, ist ein Land des Leidens. Lasst uns gemeinsam zur heiligen Gottesmutter flehen, dass Not und Tod der Vergangenheit zum Segen für alle Ermländer werden und wir in Europa in eine friedliche Zukunft gehen.

Allen hier zur Wallfahrt in Werl versammelten Ermländern und ihren Familien erteile ich von Herzen meinen bischöflichen Segen


+ Edmund Piszcz

ERZBISCHOF

METROPOLIT v. WARMIA / ERMLAND

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